Ausgabe 058 · 22. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit
Thekenqualität schafft Wert erst, wenn Beratung sie für Kunden nutzbar macht
Der Fleischsommelier und Ausbilder Ronny Paulusch formuliert in einem Beitrag vom 20. Oktober eine unbequeme, aber hilfreiche Beobachtung für den Fachhandel: Gute Qualität, Familientradition oder Meistertitel verpflichten niemanden zum Kauf. Sein Text verschiebt den Blick von der Klage über mangelnde Wertschätzung hin zur Verantwortung, Kundinnen und Kunden besser zu erklären und zu beraten.
Damit relativiert er weder den Wert guter Rohware noch handwerklicher Arbeit. Er verortet ihn dort, wo er erlebbar werden muss. Kundschaft sieht den Aufwand hinter Auswahl, Reifung, Zerlegung, Hygiene, Kalkulation oder Vorbereitung nicht automatisch. Soll Qualität einen Preis plausibel machen, braucht sie Übersetzung: eine Empfehlung zu Cut, Menge, Gartechnik, Lagerung, Anlass und eine ehrliche Antwort auf Fragen.
An der Theke wird Beratung damit zum Teil des Produkts. Das Gespräch muss nicht beim Verteidigen eines Preises gegen eine Aktion stehen bleiben. Es kann Kaufrisiko senken, Gelingen in der Küche erleichtern und Unterschiede zwischen scheinbar ähnlichen Alternativen verständlich machen. Dazu gehört auch, offen zu sagen, wenn ein günstigerer Artikel den konkreten Bedarf besser trifft.