Meat Morning Briefing
02Qualität

Ausgabe 019 · 12. September 2026 · 2 Min. Lesezeit

Weniger Nitrit verlangt den Nachweis über die gesamte Haltbarkeit

Nitritreduktion bei gegarten, verzehrfertigen Fleischwaren ist nicht durch das bloße Ersetzen einer Rezepturzahl erledigt. Eine am 9. September veröffentlichte Studie aus Portugal untersuchte gekochten Putenschinken mit 150 ppm beziehungsweise 119 ppm Natriumnitrit. Der niedrigere Wert entspricht nach Darstellung der Autoren dem neuen einschlägigen regulatorischen Grenzwert, umgerechnet als Natriumnitrit. Die Arbeit verbindet Lagerbeobachtung und mikrobiologische Challenge-Tests.

Über 28 Tage Kühllagerung verhielten sich beide Produkte mikrobiologisch vergleichbar. Gesamtkeimzahl und Milchsäurebakterien blieben bis Tag 28 unter 10^7 KBE/g, erreichten an Tag 35 jedoch als unbefriedigend bewertete Werte. Enterobacteriaceae, Staphylococcus aureus und Escherichia coli lagen durchgehend unter der Nachweisgrenze. Auch Salmonella, Listeria monocytogenes und sulf itreduzierende Clostridien-Sporen wurden in den geprüften Proben nicht nachgewiesen.

Entscheidend sind die Challenge-Tests: Bei 4 °C begrenzte die nitritreduzierte Rezeptur das Wachstum von Listeria monocytogenes auf unter 0,5 log KBE/g. Bei 8 °C trat dagegen ein vorübergehender Anstieg über diesen Schwellenwert auf. Ein vegetatives Auswachsen von Clostridium sporogenes war unter den getesteten Bedingungen nicht nachweisbar. Farbe, pH-Wert und Wasseraktivität unterschieden sich zwischen den Rezepturen technologisch nicht signifikant.

Die Aussage ist bewusst eng: Die Reduktion funktioniert für diesen Putenschinken, diesen Prozess und eine kommerzielle Haltbarkeit von 28 Tagen. Sie ist keine pauschale Freigabe, den Wert auf jede Rezeptur, Kalibergröße, Verpackung oder Kühlkette zu übertragen. Für Hersteller gegarter Fleischwaren unterstreicht die Studie eine Praxisregel: Weniger Nitrit verlangt die Validierung des gesamten Zusammenspiels aus Rezeptur, Prozess, Verpackung, Haltbarkeit und Temperaturtoleranz. Nitrosamine bestimmten die Autoren nicht; zur chemischen Sicherheitsdimension lässt die Arbeit daher keine Schlussfolgerung zu.