Meat Morning Briefing
06Ronnys Frühsteak

Ausgabe 022 · 15. September 2026 · 2 Min. Lesezeit

Der Fleischsommelier muss erwachsen werden

Manchmal braucht es eine Reise ans andere Ende der Welt, um einen Gedanken bestätigt zu bekommen, den man schon lange mit sich herumträgt.

Gestern saß ich an der Facultad de Ciencias Veterinarias der Universidad de Buenos Aires im Unterricht der angehenden Fleischsommeliers. Seit Jahren wollte ich mir diese Ausbildung ansehen. Nicht, um anschließend festzustellen, wer es besser macht. Sondern um zu verstehen, was andere anders machen. Ziemlich schnell wurde mir wieder einmal bewusst: Wir müssen über die Ausbildung zum Fleischsommelier sprechen. Nicht darüber, ob sie gut oder schlecht ist. Sondern darüber, ob sie noch zu dem Anspruch passt, den wir mittlerweile selbst an diesen Titel stellen.

Was ich in Buenos Aires erlebt habe, war Sensorik als Training. Nicht als Unterrichtspunkt, den man auf einer Agenda abhakt. Proben werden verkostet, beschrieben, verglichen. Dann kommen sie erneut, teilweise blind. Man muss sich erinnern, hinterfragen, neu bewerten, wieder zuordnen. Wahrnehmung wird nicht nur erklärt, sondern systematisch trainiert. Darin liegt für mich eine der großen Aufgaben der europäischen Fleischsommelier-Ausbildung.