Ausgabe 023 · 16. September 2026 · 2 Min. Lesezeit
Ein Steakwettbewerb wird erst durch vergleichbare Sensorik aussagekräftig
Am 17. September findet in Buenos Aires die zweite Ausgabe des Campeonato Mundial de Carnes statt. Über die Frage hinaus, wer Medaillen erhält, liegt die fachliche Bedeutung des Wettbewerbs in seinem Bewertungsansatz: Ribeye und Striploin – Bife Ancho und Bife Angosto – werden getrennt nach gras- und getreidebasierter Fütterung verglichen; die Proben werden anonymisiert, und mehrere Jury-Perspektiven fließen ein.
Die Trennung von Cuts und Fütterungssystemen ist methodisch sinnvoll. Ein Ribeye sollte nicht gegen ein Filet antreten, und ein grasgefüttertes Produkt darf nicht deshalb schwächer wirken, weil es eine andere Fett- und Aromatik als eine stark marmorierte, getreidegefütterte Probe zeigt. Vergleichbarkeit heißt nicht, Produktionsunterschiede zu glätten. Sie bedeutet, Unterschiede anzuerkennen und in passende Gruppen einzuordnen.
Am Wettbewerb beteiligen sich Fleischsommeliers, internationale Fachleute und Konsumenten; anerkannte Köche begleiten die Konsumentenjurys. Nach der Kontrolle von Cut, Zustand, Verpackung und Produktsicherheit werden Zartheit, Saftigkeit sowie Geschmack beziehungsweise Aroma beurteilt. An der Ausgabe 2025 wirkten mehr als 350 Juroren mit. 2026 wurde das Programm durch standardisierte Verkostungen der Semana de la Calidad vom 11. bis 13. September erweitert.
Für Ausbildung und Verkauf liegt die Konsequenz auf der Hand: Sensorische Kompetenz ist keine elegante Verkaufsrhetorik. Sie braucht gemeinsames Vokabular, Referenzen, Wiederholung und Kalibrierung. Ein Sommelier oder Berater muss Produkteigenschaften von persönlicher Vorliebe trennen und Beobachtungen mit möglichen Ursachen bei Rohstoff, Reifung, Lagerung oder Zubereitung verbinden können. Erst dann wird Verkostung zum Instrument der Qualitätssicherung und glaubwürdigen Beratung.