Ausgabe 034 · 28. September 2026 · 2 Min. Lesezeit
Brasiliens Tempowechsel verschiebt die Mercosur-Rindfleischlogik
Der südamerikanische Rindfleischmarkt tritt in eine Phase, in der die Gesamtsumme weniger erklärt als das Tempo jedes einzelnen Lieferlandes. Ein Bericht der Bolsa de Comercio de Rosario stellt fest, dass sich das Angebot aus Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay im Juli und August gegenüber dem Vorjahr deutlich verringerte – nach einem expansiven ersten Halbjahr. Ausschlaggebend war vor allem der Tempowechsel Brasiliens, das seine Ausfuhren in den ersten Monaten stark beschleunigt hatte.
Argentiniens Rindfleischexporte erreichten laut Bericht im August 72.900 Tonnen. Das war der bislang höchste Monatswert 2026 und einer der höchsten Monatswerte der vergangenen sechs Jahre. Für die vier Exportländer zusammen lagen die Ausfuhren von Januar bis August bei rund 2,8 Millionen Tonnen. Brasilien trug weiterhin den größten Teil des Zuwachses gegenüber dem Vorjahr, seine Dynamik verlangsamte sich im zuletzt betrachteten Zeitraum jedoch.
Für Einkauf, Zerlegung und Vertrieb lautet die Lesart nicht, dass Mercosur-Rindfleisch pauschal knapp wird. Entscheidend ist vielmehr, dass sich Mengen, Zielmärkte und Verfügbarkeiten bei Kuhfleisch, Trimmings, Verarbeitungsware, Premium-Cuts und kontingentgebundener Ware sehr unterschiedlich auswirken können. Chinesische Quoten, die bevorstehende Schließung des EU-Marktes für Brasilien und die Handelsbeziehung mit den USA gehören zum im Bericht genannten Umfeld. Der internationale Einkauf muss deshalb Spezifikation, Herkunft und Verwendungszweck produktweise prüfen. Eine regionale Bilanz kann gegenläufige Bewegungen zwischen Ländern und Fleischkategorien verdecken.