Ausgabe 037 · 01. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit
Geflügelqualität muss als durchgängiger biologischer Prozess geführt werden
Geflügelfleischqualität lässt sich nicht verlässlich steuern, wenn Stall, Transport, Schlachtung und Kühlung getrennt betrachtet werden. Eine am 25. September veröffentlichte Übersichtsarbeit bündelt diese Glieder zu einem mechanistischen Rahmen: Bedingungen vor der Schlachtung beeinflussen den Muskelstoffwechsel; dieser bestimmt wiederum die postmortale Umwandlung. Daraus ergeben sich Geschwindigkeit des pH-Abfalls, Wasserbindungsvermögen, Farbe, Zartheit, Lipidoxidation und die Anfälligkeit für Fehler wie PSE-ähnliches Fleisch, Wooden Breast oder White Striping.
Die Autoren benennen vor allem Energiehaushalt, Mitochondrienfunktion, oxidatives Gleichgewicht, Calciumhomöostase und proteolytische Systeme als Verbindungspunkte. Das sind keine isolierten Parameter. Temperatur, Besatzdichte, Genetik, Fütterung, Stress und Vormast- beziehungsweise Vor-Schlacht-Management können auf diese Prozesse zusammenwirken und die Reaktion des Muskels nach dem Tod verändern. Eine späte Korrektur im Werk kann eine frühere Abweichung deshalb nicht immer ausgleichen.
Für die Praxis verschiebt das den Blick von Einzelmaßnahmen zu Prozessprofilen. Eine Qualitätsspezifikation für Brust oder Keule sollte Produktions- und Tierwohlindikatoren mit Variablen aus Schlachtung, Kühlung und Produktprüfung verbinden. Ebenso muss klar sein, welcher Fehler, welches sensorische Merkmal oder welcher Verwendungszweck abgesichert werden soll.