Ausgabe 016 · 09. September 2026 · 2 Min. Lesezeit
Ganzheitliche Schlachtkörpernutzung ist der praktische Kern handwerklicher Nachhaltigkeit
Ronny Paulusch rückt in einem am 7. September bei Fleisch & Co veröffentlichten Beitrag die Nachhaltigkeit des Fleischerhandwerks auf eine Grundfrage zurück: Was geschieht mit Tier und Rohstoff, bevor über Gebäude, Energie oder Technik gesprochen wird? Seine These lautet, dass eine effiziente Kühlung oder Wärmerückgewinnung die konsequente Nutzung des gesamten Schlachtkörpers nicht ersetzen kann.
Paulusch verbindet handwerkliches Wissen mit Praktiken wie Zerlegen, Wursten, Kochen, Pökeln, Reifen und Kundenberatung. Diese Tätigkeiten beschreibt er nicht als neue Technologie, sondern als bewährte Mittel, um ein breites Spektrum an Teilstücken und Rohstoffen zu wertvollen Lebensmitteln zu machen. Problematisch wird es nach seiner Auffassung dort, wo sich Nachfrage auf wenige Premiumstücke konzentriert und alles Übrige vor allem als schwer verwertbarer Rest erscheint.
Der Beitrag ist keine Nachhaltigkeitsmessung und kein Vergleich von Umweltbilanzen. Er ist eine fachliche Positionierung. Gerade deshalb ist er als Erinnerung relevant: Technische Kennzahlen beschreiben nur einen Teil der Realität. Der wirtschaftliche und lebensmittelbezogene Wert der Schlachtkörpernutzung hängt ebenso von Können, Rezepturen, Sortimentsgestaltung, Kalkulation und erklärungsstarkem Verkauf ab.
Für Metzgereien folgt daraus, Nachhaltigkeit in das tägliche Angebot zu übersetzen. Weniger bekannte Teilstücke, sauber kalkulierte Veredelungen, klare Zubereitungsanlässe und Beratung zu Garung und Ausbeute können dort Wert schaffen, wo eine allein auf Edelstücke gerichtete Logik ein Problem sieht. Ganzheitliche Verwertung macht Verbesserungen bei Energie, Verpackung oder Logistik nicht überflüssig. Sie verlangt aber, dass diese Verbesserungen auf einem Produkt aufbauen, dessen Wert konsequent genutzt wird.