Meat Morning Briefing
03Research

Ausgabe 004 · 28. August 2026 · 2 Min. Lesezeit

Bio-Zertifizierung ersetzt keinen Nachweis am Tier

„Bio“ ist für sich genommen kein hinreichender Tierwohlindikator. Das ist die Kernaussage einer am 25. August in *Organic Agriculture* veröffentlichten systematischen Literaturauswertung. Das Team wertete 86 Vergleichsstudien aus kommerziellen Betrieben in Europa und Nordamerika aus, erschienen zwischen 1990 und Juni 2023. Erfasst wurden 623 Vergleichspaare zwischen ökologischer und konventioneller Haltung bei Rindern, Schweinen, Geflügel und kleinen Wiederkäuern.

Das Ergebnis ist keine Absage an die ökologische Tierhaltung. Deren Vorgaben bieten Potenzial für gutes Tierwohl, etwa durch mehr Platz, Auslauf, Einstreu und Beschränkungen bei Spaltenböden. Einen durchgängig eindeutigen Vorteil bei einzelnen Tierwohldaten fand die Auswertung jedoch nicht. In 28 Prozent der Vergleichspaare schnitt Bio besser ab, in 56 Prozent zeigte sich kein klarer Unterschied und in 16 Prozent erzielte die konventionelle Haltung bessere Werte.

Besonders hoch gewichten die Autoren das einzelbetriebliche Management. Weidezugang kann natürliche Verhaltensweisen fördern, erhöht ohne passende Prävention aber auch Parasitenrisiken. Ähnlich verhält es sich mit Einstreu: Sie kann Komfort schaffen, bei schwacher Hygiene jedoch Gesundheitsprobleme begünstigen. Zudem konzentrierte sich der Großteil der verfügbaren Vergleiche auf Tiergesundheit; Verhalten und emotionaler Zustand wurden deutlich seltener untersucht.