Ausgabe 048 · 12. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit
Früher Hennenkontakt verändert die Broiler-Resilienz – nicht das Mastgewicht
Eine am 10. Oktober veröffentlichte Studie untersucht, ob früher mikrobieller Kontakt mit adulten Legehennen die Stressantwort von Masthühnern beeinflussen kann. Die Frage ist relevant, weil kommerzielle Küken normalerweise ohne erwachsene Tiere aufwachsen und ihre frühe Darmbesiedlung damit stark von der Stallumgebung abhängt.
Im Versuch wurden 128 Eintagsküken eingesetzt. Eine Gruppe hatte bis zum zehnten Lebenstag Kontakt zu adulten Hennen; danach wurden die Hennen entfernt. An den Tagen 18 und 20 erhielt ein Teil der Tiere Lipopolysaccharid, um eine entzündliche Stressreaktion auszulösen. Untersucht wurden Körpergewicht, Blinddarmmikrobiota, Stoffwechselprodukte sowie Genexpressionsmarker in Darm und Leber.
Der Kontakt veränderte weder Körpergewicht noch Ileum-Histomorphologie. Er veränderte jedoch signifikant Vielfalt und Zusammensetzung der Blinddarmmikrobiota, ging mit einer höheren Bildung flüchtiger Fettsäuren einher und beeinflusste den Tryptophan-Stoffwechsel. Zudem zeigten sich molekulare Hinweise auf Veränderungen bei Darmbarriere und antioxidativer Abwehr. Unter Lipopolysaccharid-Belastung dämpfte der vorherige mikrobielle Kontakt einzelne stressbezogene Wirtsreaktionen.
Die praktische Schlussfolgerung verlangt Zurückhaltung. Die Studie ist weder eine direkte Empfehlung, adulte Hennen in kommerzielle Mastpartien zu integrieren, noch ein Nachweis besserer Schlachtkörper- oder Fleischqualität. Ihr Wert liegt in der Trennung von Leistung und biologischer Robustheit: Eine Maßnahme kann ohne Mehrgewicht die Reaktion auf Immunstress verändern. Für die Praxis braucht es Versuche unter kommerziellen Bedingungen, belastbare Biosicherheitskonzepte sowie Daten zu Tierwohl, Verlusten und Endproduktqualität.