Meat Morning Briefing
02Qualität

Ausgabe 027 · 21. September 2026 · 2 Min. Lesezeit

Geflügelanalytik beginnt vor dem Messgerät

Die Vorbereitung einer Geflügelfleischprobe wirkt leicht wie ein technischer Zwischenschritt vor der eigentlichen Analyse. Eine auf der Jahrestagung der EAAP vorgestellte Untersuchung zeigt jedoch: Sie kann das Messergebnis wesentlich mitbestimmen. Die Studie mit Beteiligung nationaler EU-Referenzlaboratorien prüfte, wie sich die Probenbearbeitung auf Protein- und Feuchteanalysen auswirkt.

Die mitgeteilte Kernaussage ist eindeutig: Art der Probenvorbereitung und -verarbeitung können ermittelte Protein- und Feuchtewerte verändern und Unterschiede zwischen Laboren erzeugen. Auf Grundlage dieser und weiterer Arbeiten veröffentlichte die Expertengruppe der Europäischen Kommission zur Kontrolle des Wassergehalts in Geflügelfleisch Empfehlungen, die Verfahren stärker vereinheitlichen und Verzerrungen aus der Probenvorbereitung mindern sollen.

Für Hersteller, Labore und Handel betrifft das mehr als Analytikroutine. Protein und Feuchte beeinflussen bei Geflügelprodukten Spezifikationen, Prozessverifikation, Lieferantenvergleich und je nach Produkt auch die regulatorische Beurteilung. Ist die Vorbereitung nicht präzise beschrieben und beherrscht, kann eine Ergebnisdifferenz wie eine Abweichung von Rohstoff oder Rezeptur aussehen, obwohl sie vor dem Messgerät entstanden ist.

Die Konsequenz ist methodisch: Zu einer Analysenspezifikation gehört die gesamte Kette – Probenahme, Homogenisierung, Partikelgröße und Temperaturführung ebenso wie Methode, Kalibrierung und Berechnung. Ringversuche sollten diese Schritte dokumentieren, nicht nur Endwerte. Standardisierung ersetzt kein Fachurteil, macht einen Einzelwert aber zu einer belastbareren Basis für Qualitätsentscheidungen.