Meat Morning Briefing
01Research

Ausgabe 062 · 26. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit

Kreislauffutter wird erst mit getrennten Risikowegen belastbar

Kreislauffähige Proteinwirtschaft braucht Risikobewertungen, die einzelne Expositionswege unterscheiden. Eine neue Studie von Wageningen University & Research untersucht, ob Insekten, die auf Restströmen mit tierischen Proteinen wachsen, ein BSE-Risiko in die Nutztierkette zurücktragen könnten. Genau deshalb sind solche Substrate für die Insektenzucht in der EU derzeit nicht zugelassen.

Das Modell betrachtete Mehlwürmer und Larven der Schwarzen Soldatenfliege auf ehemaligen Supermarktlebensmitteln, Küchenresten privater Haushalte oder Kategorie-2-Fleischmehl. Berücksichtigt wurden Kreuzkontaminationen von Wiederkäuerfutter, die Düngung von Grünland mit Schweine- oder Geflügelmist beziehungsweise Frass sowie Kälbermilchaustauscher. Weil zur Übertragung von Prionen vom Substrat auf Insekten Lücken bestehen, rechneten die Forschenden bewusst konservativ: Eine Inaktivierung während der Insektenzucht wurde nicht unterstellt.

Selbst unter diesen Annahmen fielen die modellierten Expositionen sehr niedrig aus. Den höchsten mittleren Gesamtwert ergab die Kombination Mehlwurm und Küchenreste; die daraus abgeleitete Wahrscheinlichkeit mindestens einer neuen BSE-Infektion lag deutlich unter einem Fall je 100.000 nicht erkannten BSE-infizierten Schlachtrindern. Das ist keine pauschale Freigabe: Die Studie ersetzt weder Prozessvalidierung noch die Vorgaben zum Umgang mit tierischen Nebenprodukten.

Ihr praktischer Wert liegt woanders. Die Debatte über Insekten und Nebenstromverwertung darf nicht mit einem allgemeinen „sicher“ oder „unsicher“ entschieden werden. Sie muss Eingangsmaterial, Insektenart, Verwendungszweck der Biomasse und mögliche Rückwege zu Wiederkäuern getrennt bewerten. Für die Fleischwirtschaft heißt das: Zirkularität wird erst belastbar, wenn Stoffstromtrennung, Rückverfolgbarkeit und Expositionsszenarien präzise beschrieben und überprüfbar sind.