Ausgabe 064 · 28. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit
Premiumkommunikation braucht den Unterschied zwischen Sensorik und Herkunft
Frankreich bereitet eine neue Kommunikationsphase für Rind-, Kalb-, Lamm- und Schweinefleisch mit den Zeichen Label Rouge und IGP vor. Eine am 26. Oktober von Interbev, FIL Rouge und SYLAPORC veröffentlichte Ausschreibung sucht eine Agentur für das Programm der Jahre 2027 bis 2029. Vorgesehen sind unter anderem die Kommunikation der Auszeichnungen des Concours Général Agricole, des Trophée National des Viandes d’excellence und der jährlichen Qualitäts- und Herkunftswoche im November.
Wichtig ist die Unterscheidung der beiden Zeichen. Label Rouge steht nach Darstellung der Ausschreibung für ein Versprechen überlegener Qualität, das durch sensorische Prüfungen zu Geschmack, Zartheit und Genuss abgesichert wird. Eine IGP verknüpft dagegen ein Produkt mit Gebiet, Geschichte und regional verankertem Know-how. Die Zeichen sind nicht austauschbar: Das eine fokussiert eine überprüfbare Qualitätsaussage, das andere geschützte Herkunft und produkttypische Prägung.
Die Ausschreibung verweist zudem auf Lastenhefte, anspruchsvolle Praktiken und regelmäßige Kontrollen durch unabhängige Zertifizierungsstellen. Das ist für Theke und Gastronomie relevant: Herkunft, Tierwohl, Umwelt und Sensorik sollten nicht als allgemeine Werbebotschaften erscheinen, sondern als verständlich übersetzte Aussagen mit dem jeweils passenden dokumentierten Nachweis.
Für das Fleischhandwerk lautet die Lehre: Premiumdifferenzierung braucht mehr als einen regionalen Namen oder Bilder von Weidelandschaften. Sie braucht ein Verkaufsgespräch, das Herkunft, Produktionsspezifikation und sensorische Erwartung auseinanderhalten kann. Ein Tasting oder eine Garempfehlung kann den Wert erlebbar machen, ersetzt aber weder Lastenheft noch Kontrolle. Qualität wird wirtschaftlich belastbar, wenn jedes Argument eine überprüfbare Grundlage behält.